Vampirgruft



Reisebericht Sommer 2010, Teil 1


Tag 2, 05. Juli 2010

Der Wecker klingelte um 6.45 Uhr. Frühstück gab es jedoch erst am 8.30 Uhr, weshalb wir uns an der Tankstelle mit frischen Sandwiches und Getränken eindeckten. Es ging Richtung Süden und nach einer guten halben Stunde erreichten wir das Dunguaire Castle in Kinvarra. Schon im 7. Jahrhundert stand in unmittelbarer Nachbarschaft zur heutigen Burg eine Festung. Diese erste Festung namens "Rath Durlais" war von King Guaire Aidhne, König von Connaught, erbaut worden. Von Rath Durlais existiert heute nur noch ein kleiner Mauerrest und ein erhaltener Torbogen. Dunguaire Castle wurde 1520 durch den O'Heynes Clan erbaut.

Laut Internet sollte es zu besichtigen sein, der abgesperrte Parkplatz und das verschlossene Tor sagten jedoch etwas anderes. Ob die Burg dauerhaft oder nur vorübergehend geschlossen ist, und wir einfach nur Pech hatten, kann ich jedoch nicht sagen. Ein kurzer, wenngleich starker Regenschauer verhinderte zwar auch eine nähere Erkundung der verwachsenen Ruine von Rath Durlais, bescherte uns dafür aber einen Regenbogen.


Dunguaire Castle (Kinvarra)


Rath Durlais (Kinvarra)

So schnell, wie Regen und Wolken gekommen waren, verschwanden sie auch wieder, während wir über Finavarra zur Küste fuhren. Die Wellen brachen sich rauschend an den Steinen, vor der sich der wuchtige Martello Tower erhob (einer von insgesamt 164 kleinen Befestigungen, die das britische Empire zwischen 1804 und 1814 zur Zeit der Napoleonischen Kriege errichtete). Zwar führte ein geknotetes Seil zum hochgelegenen Eingang des Turmes, ich verzichtete aber darauf, mich dort hoch zu quälen. Auf dem Rückweg zur Hauptstraße legten wir noch einen Fotostopp an den Ruinen von Finvarra Manor ein. 1768 als prunkvolles Haus von William Skirrett erbaut, stehen sie heute auf Privatgrund und können wegen Einsturzgefahr nicht besichtigt werden.


Martello Tower (Finavarra)


Finavarra Manor

Ein Abstecher führte uns zur 1194 von Dónal Mór O’Brien of Thomond gegründeten Corcomroe Abbey, auch bekannt als "Abtei der Burren". Das Kloster, in dem Conor na Siudane O’Brien of Thomond (Enkel von Dónal Mór) begraben liegt, wurde 1564 aufgelöst.


Corcomroe Abbey (Bealaclugga)

Der Zugang zur nächsten Ruine, dem im 15. Jahrhundert erbauten Bealaclugga Castle, war indes komplizierter. In einer kleinen Bucht gelegen, führen keine Wege (bzw. bestenfalls Trampelpfade) zu ihr, so dass Birgit und ich uns durch fieses Dornengestrüpp kämpfen mussten, um sie überhaupt zu erreichen. Zu allem Überfluss lag in den Büschen auch noch eine tote Kuh, von der jedoch nur noch Haut und Knochen übrig waren. Für den Rückweg wählten wir deshalb einen etwas weiteren Weg, in der Hoffnung, dass dieser einfacher sei. Dort verfolgten uns schließlich jedoch "vermeintlich Fleisch fressende Killerkühe" und zum Schluss mussten wir auch noch eine äußerst brüchige, mit Dornenranken bewachsene Mauer überklettern.


Bealaclugga Castle

Nur zwei Kilometer später stoppten wir am Shanmuckinish Castle, ebenfalls im 15. Jahrhundert erbaut. Zwar steht es auf Privatgrund und darf nicht betreten werden, war aber auch von außerhalb der Mauern, die das Grundstück absperrten, gut zu fotografieren.


Shanmuckinish Castle (Muckinish)

Nach einer kurzen Besichtigung des Newtown Castle, ein runder Burgturm aus dem 16. Jh., bogen wir in die Karstlandschaft der Burren ab. Der Burren, zu deutsch "steiniger Ort", umfasst eine Fläche von 250 km² Kalksteingebiet. Die Oberfläche der Burren ist durch etwa knietiefe Karren (durch Verwitterung und Oberflächenwasser entstandene Rinnen) in rechteckige Felder gegliedert, was landschaftlich ein oftmals surreales Bild erzeugt.

In einer der wenigen bewaldeten Flächen der Burren befindet sich das Ballyallaban Ringfort. Ballyallaban ist mit 25-30 m Durchmesser eine der seltenen frühzeitlichen Ringfestungen der Buren, die nicht mit Stein verstärkt wurde. Insgesamt gibt es in Irland rund 45.000 bekannte Ringforts, die überwiegend aus der Zeit von 1000 v.Chr. bis 1000 n.Chr. stammen, manche davon wurden bis ins 15. Jahrhundert genutzt.


Newtown Castle


Ballyallaban Ringfort

Geschnitzte Holzfigur in einem Astloch am Ballyallaban Ringfort

Über Serpentinen, welche die unwirklich anmutende Felslandschaft durchschnitten, erreichten wir den Poulnabrone Dolmen (Pulnabrone Dolmen), auch "the hole of the sorrows" genannt. Der Dolmen ist ein Megalithgrab, bei dem zwei aufrecht stehende Steine (Orthostaten) gemeinsam mit dem gewaltigen, 3,65 m langen Deckstein eine Kammer bilden. Der Poulnabrone Dolmen wurde in der Jungsteinzeit zwischen 3800 v.Chr. und 3200 v.Chr. erbaut. Bei Grabungen im Jahr 1985 entdeckte man hier zudem Reste älterer Bestattungen bis zurück ins Jahr 5100 v.Chr.


Poulnabrone Dolmen


Karstlandschaft in den Burren

Während Birgit im Auto wartete, besichtigte ich anschließend noch das Caherconnel Stone Fort, verbunden mit einer interessanten Audioführung samt Film über die Ringfestungen der Burren. Mit gut 40 m Durchmessern haben die einst sechs Meter hohen und bis zu vier Meter dicken Wände heute noch eine Resthöhe von drei Metern. Ursprünglich diente Caherconnell vermutlich einer wohlhabenden Familie dazu, ihr Vieh bei feindlichen Einfällen zu schützen, wurde später als Befestigung aber mindestens bis ins 15. Jahrhundert hinein genutzt. Radiokarbon-Untersuchungen belegten sogar menschliche Überreste von 1560-1630. Bei archäologischen Untersuchungen fand man 30 m südöstlich des Forts zudem eine Kammer mit Werkzeugen und Keramiken aus der mittleren Bronzezeit (2000-1500 v.Chr.).


Caherconnel Stone Ringfort

Das aus dem Jahr 1480 stammende und 1648 zum Schloss umgebaute Leamaneh Castle konnte entgegen anders lautender Meldungen im Internet ärgerlicherweise nicht besichtigt werden. Das Grundstück war mit Stacheldraht umzäunt und der Eingang auf halber Höhe vermauert. Leider öffnete auch niemand, als ich am Tor des hinter der Ruine gelegenen Hauses klingelte.


Leamaneh Castle

Nach einem Fotostopp am Doonagore Castle aus dem 16. Jh. und der Ruine des Liscannor Castle (erbaut im 12. Jh. durch die O'Connors), die beide nicht zugänglich waren, besuchten wir die Ruinen des Seamont House aus dem Jahr 1800, das zu Beginn des 20. Jhs. ausbrannte. Heute steht es zum Verkauf, wenngleich sich mir bei dem immens maroden Zustand die Frage stellt, wer bereit ist, hierfür noch 900.000,- Euro zu bezahlen...


Doonagore Castle (Doolin)


Liscannor Castle


Seamont House (Liscannor)

Nun wollten Birgit und ich an einer Bootsfahrt entlang der mächtigen Cliffs of Moher teilnehmen. Möglich ist dies ab Liscannor sowie ab Doolin. Gerne wäre ich im Liscannor Harbour gestartet, da die Touren von dort die Felsspitze Hag's Head mit der Burgruine des Moher Towers umrunden. Allerdings wies ein Schild darauf hin, dass die Schiffe heute wegen des starken Seegangs nicht fahren würden.

Im Eiltempo fuhren Birgit und ich daraufhin die 12 Km nach Doolin und erwischten um 17.00 Uhr gerade noch das letzte Schiff für diesen Tag, das zum Glück trotz der höheren Wellen fuhr. Es war ein überaus beeindruckendes Erlebnis und absolut traumhaft - wenngleich mein Magen dem eindeutig widersprechen würde! ;-) Immer wieder wurde das kleine Schiff vom Seegang nach oben gerissen, um mit einem heftigem Schlag zurück auf die Wasseroberfläche zu schlagen. Eine Achterbahnfahrt war nichts dagegen und eine Kreuzfahrt werde ich sicherlich nie machen!

Besonders imposant war ein spitzer Felsen, der vor den Cliffs of Moher aus dem türkisblauen Wasser ragte und in dessen Nischen laut Ansage rund 3000 Papageientaucher saßen. Nichts desto trotz war ich froh, als ich nach der einstündigen Bootstour wieder festen Boden unter den Füßen hatte und sich mein Magen langsam beruhigte.


Schifffahrt entlang der Cliffs of Moher


Blick auf den O'Brians Tower und die Ruine des Moher Towers auf Hag's Head


Felsen mit rund 3000 Papageientauchern


Trotz eines mulmigen Gefühls im Magen konnten wir noch lachen - wenngleich meines doch etwas gequält war.

Vorbei am Doolin Castle ging es nun auf die Cliffs of Moher. Auf der Klippe nahe Hag’s Head an der Westküste des County Clare stand einst ein Steinfort, genannt Moher O’Ruan ("Ruan’s zerfallenes Fort"). Diese Landmarke gab den Klippen ihren Namen. Die acht Km langen und bis zu 214 m hohen Cliffs of Moher ist die bekannteste Steilküste Irlands, in ihrer Mitte steht der O'Brians Tower, ein Wach- und Aussichtsturm von 1835. 2008 wurden hier zudem Szenen für den Film "Harry Potter und der Halbblutprinz" gedreht.

Wenig begeistert waren wir von den 8,- Euro Parkgebühren, aber zumindest waren aufgrund der späteren Stunde nicht mehr all zu viele Touristen vor Ort. Tagsüber wäre das sicherlich anders gewesen. Nach einem Abstecher ins Besucherzentrum, das bis 21.00 Uhr geöffnet hatte, erkundeten Birgit und ich die Klippen; zumindest hatten wir dies vor. Zu unserer Enttäuschung verhinderten jedoch hohe, an die ausgebauten Wege angrenzende Steinplatten eine klare Sicht in Tiefe. Wider jeder Vernunft und entgegen der Verbotsschilder überkletterten wir diese schließlich und wurden mit gigantischen Ausblicken belohnt. Auch wenn hierfür eine weitere Absperrung zu überklettern gewesen wäre, hätte ich gerne noch den Moher Tower besucht. Hin und zurück insgesamt 8 Km Fußweg waren mir für die kleine Ruine dann aber doch definitiv zu weit.


Doolin Castle


Cliffs of Moher



Nach über drei Stunden an den Klippen kehrten wir zurück zu unserem Mietwagen und stellten mit Freude fest, dass die Schranke des Parkplatzes geöffnet war. So sparten wir uns die 8,- Euro Parkgebühr. Im Licht der tief stehenden Sonne machten wir uns auf den Rückweg, auf dem ich noch an der Ruine des Ballinalacken Castle vorbeifuhr. Seine genaue Entstehung ist unbekannt, wird jedoch auf das 14.-16. Jahrhundert datiert, wenngleich noch Keller aus dem 10. Jh. existieren. Ursprünglich war die normalerweise verschlossene, zweistufige und bis zu 5 Stockwerken hohe Burg lediglich als Fotostopp eingeplant, da sie nur im Rahmen einer zuvor angemeldeten Führung besichtigt werden kann (Infos im angrenzenden Ballinalacken Hotel aus dem Jahr 1840). Zu unserem Glück war jedoch gerade eine Besuchergruppe dort, zu der wir uns schließlich frech dazugesellten und so bis in die oberen Stockwerke hinaufsteigen konnten. Ganz ungefährlich war dies jedoch nicht, da die von der Turmtreppe abzweigenden Öffnungen gleich mehrfach im Nichts endeten.


Ballinalacken Castle

Anstatt des direkten und etwas kürzeren Weges fuhr ich abschließend nochmals zur nahe gelegenen Küste der felsigen Burren, in der Hoffnung, dort den Sonnenuntergang fotografieren zu können. Dies wurde mir wegen aufziehender Bewölkung leider zwar nicht ermöglicht, aber landschaftlich reizvoll war die Gegend allemal.


Karstlandschaft & Küste westlich von Ballinalacken

Auf der Weiterfahrt, während der ein Fuchs über die Straße rannte, fiel schließlich das rechte Abblendlicht aus, was die Sicht auf der ohnehin schon engen und kurvigen Straße nochmals erschwerte. Ich verlangsamte sicherheitshalber das Tempo, so dass wir nach einem letzten Stopp am beleuchteten Dunguaire Castle letztendlich erst um 0.45 Uhr unser Guesthouse erreichten.


Dunguaire Castle (Kinvarra)


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