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Angela Sommer-Bodenburg
- Interviews (in chronologisch umgekehrter Reihenfolge) -
5.
Interview, April 2009
Andy: Vor kurzem hast du mir geschrieben, dass du mit der Überarbeitung von Annas Nächtebuch begonnen hast. Kannst du uns bereits etwas darüber erzählen, was die Fans vom kleinen Vampir (und natürlich Anna) erwartet?
Angela: Alle Bände der Serie "Der kleine Vampir" habe ich aus Antons Perspektive geschrieben. Und so spielen die meisten Szenen in Antons Welt - eben in der Welt der Menschen. Der Blick auf die Welt der Vampire erfolgt stets durch menschliche Augen. Ein lang gehegter Wunsch von mir war aber, auch einmal von der "anderen Seite" zu berichten, aus der Sicht der Vampire. Und da kam mir dann die Idee mit dem Nächtebuch, das Anna führt. Anna ist mein Lieblingscharakter der Serie und in Teilen auch ein Selbstportrait. Ich fand es faszinierend, in Annas Haut zu schlüpfen. Sie ist einerseits ein kleines Mädchen, das niemals den neunten Geburtstag erleben wird - und andererseits eine welterfahrene Person, die schon seit über 150 Jahren das Leben um sich herum beobachtet. Annas Wünsche und Träume, ihre Ängste und Probleme lernen wir in ihrem Nächtebuch sehr intim kennen. Und wir erfahren auch, wie und warum sie Vampir wurde!
Wie viele Seiten wird Annas Nächtebuch haben (lehnt es sich eher an die Seitenzahl der kleinen Vampir-Bände an oder wird es ein dickeres Buch)?
Mein Manuskript umfasst 153 Seiten. Aber manche Eintragungen sind nur eine halbe Seite lang. Ob am Ende Illustrationen dazukommen, ist noch nicht entschieden. Das Buch beginnt mit Anton, dem Anna ihr Nächtebuch anvertraut - und es endet auch mit Anton. Mit einem sehr nachdenklichen Anton ... Aber mehr möchte ich noch nicht verraten.
Ist bereits abzusehen, wann Annas Nächtebuch erscheinen wird / könnte?
Definitiv 2010! Im Frühjahr 2010 soll ja eine
Verkaufskassette* zum Kleinen Vampir erscheinen - in der Form eines
Sargs. Möglicherweise wird "Annas Nächtebuch" im Herbst veröffentlicht.
Genaueres werde ich in den nächsten Wochen erfahren.
* (ein Pappaufsteller zur Präsentation der Bücher im Handel)
Die Idee für Annas Nächtebuch gab es ja schon länger. In wie weit war es für dich von Bedeutung, erst die Reihe "Der kleine Vampir" zu beenden, bevor du mit dem Schreiben an Annas Nächtebuch beginnst? War dies schon immer so beabsichtigt oder hat sich das nur zufällig so ergeben?
Ich musste die Serie vom Kleinen Vampir erst beenden. Annas Nächtebuch soll ja einerseits ein selbständiges Werk sein und sich andererseits an die Serie anschließen und - hoffentlich - viele Fragen beantworten, die noch offen sind.
Wie du mir erzählt hattest, hast du die Bände vom kleinen Vampir in Hinblick auf Annas Nächtebuch nochmals gelesen. Wie war es für dich, die Geschichten nach z.T. langer Zeit selbst wieder zu lesen und zu erleben? Gab es Stellen, die du heute evtl. anders schreiben würdest?
Es war seltsam. Ich lese meine eigenen Bücher wirklich nur, wenn es sein muss. Auch deshalb, weil ich ja rückwirkend nichts mehr ändern kann. Stellen, die ich heute anders schreiben würde, habe ich eigentlich nicht entdeckt. Aber das war auch nicht mein Augenmerk beim Lesen.
Die Buchreihe "Der kleine Vampir" erzählt die Geschehnisse aus der Sicht von Anton, Annas Nächtebuch hingegen lässt gewisse Ereignisse aus der Perspektive von Anna Revue passieren. War es eine große Umstellung, beim Schreiben den Blickwinkel von Anton auf Anna zu verlagern?
Ja, es war ziemlich schwierig! Ich habe mehrere Wochen gebraucht, bis ich wirklich Annas Stimme gefunden hatte. Aber es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht! Zum Beispiel, wenn Anna über Lumpi schreibt ... oder über Tante Dorothee. Anna denkt viel darüber nach, was es bedeutet, Vampir zu sein. Und dafür war natürlich kein Platz in den Bänden vom "Kleinen Vampir".
Ein großer Wunsch deiner Fans ist es, mehr aus der Welt des kleinen Vampirs zu erfahren, auch über die Vergangenheit der "von Schlottersteins", vor der Zeit von Anton. Hat dich dieser Wunsch beim Schreiben beeinflusst oder entwickelte sich Annas Nächtebuch beim Schreiben doch in eine andere Richtung? Falls ja, dürfen deine Leser dann auf eine evtl. Fortsetzung von Annas Nächtebuch hoffen, welches z.B. weiter in die Vergangenheit zurück reicht oder tiefer in die Welt der Vampirfamilie eintaucht?
Es wird einiges über die Vergangenheit der von
Schlotterstein enthüllt.
Ein zweites Nächtebuch von Anna ist durchaus denkbar, und ich habe auch schon
konkrete Ideen. Jetzt freue ich mich erst mal, dass ich Annas Nächtebuch
abgeschlossen habe. Und ich bin gespannt darauf, wie die Leser und Leserinnen
das Nächtebuch aufnehmen werden!
Eine deiner Ideen für das Nächtebuch war, dass Anna bereits vor Anton mal einen Freund hatte. Dies hast du jedoch wieder verworfen, da Lumpi sie im Laufe der Geschichten um den kleinen Vampir sicherlich irgendwann damit aufgezogen hätte. Gab es noch weitere Einfälle, die du dann doch nicht umgesetzt (oder evtl. zurück gestellt) hast?
Es gab einige Geschichten, die auf dem Papier gut waren, sich dann aber doch nicht in die Geschichte einfügten, die ich in den vorhandenen 20 Bänden erzählt habe. Das war gelegentlich recht frustrierend für mich. Ich habe nach dem Prinzip geschrieben: So viel Fantasie wie möglich, so viel Originaltreue wie nötig.
Überlegst du, evtl. auch mit Annas Nächtebuch auf Lesereise zu gehen oder möchtest du das (z.B. aufgrund der damit verbundenen Strapazen, wie Flug, Fahrten, wechselnde Hotels... o.a.) vorerst nicht mehr?
Doch, durchaus. Die letzte Lesereise hat uns viel Spaß gemacht, und ich war auch nur einmal (in Augsburg) erkältet. Aber es war wunderbar, die vielen kleinen und großen Fans zu treffen - und zu sehen, dass sie noch immer dieses besondere Funkeln in ihren Augen bekommen, wenn sie die Geschichten vom Kleinen Vampir hören. Also vielleicht Herbst 2010?
Könntest du dir vorstellen, als "großen Abschluss" für den kleinen Vampir ein umfangreiches, tiefer gehendes Buch zu schreiben, in der du (wie z.B. die Art der Vampir-Werdung in "die letzten Verwandlung") weitere Geheimnisse Preis gibst (also eine Art "Familienchronik", wie in "Der kleine Vampir liest vor")?
Wer weiß? Aber vielleicht beantwortet Annas Nächtebuch ja schon die meisten Fragen …
Welche Reaktionen hast du bislang auf den letzten Band vom kleinen Vampir, die letzte Verwandlung, bekommen (bezogen auf die Story an sich sowie generell darauf, dass es keine weiteren Bände geben wird)?
Er wurde sehr positiv aufgenommen. Aber natürlich sind auch viele traurig, dass es keine weiteren Bände geben soll.
Welcher ist dein persönlicher Lieblingsband vom kleinen Vampir und warum?
Wenn ich einen Band auswählen müsste, wäre es vielleicht der siebte, der kleine Vampir im Jammertal. Er ist sehr verdichtet und sehr dramatisch, finde ich. Aber vielleicht hat meine Vorliebe auch damit zu tun, dass ich kein Fan vom Zelten und vom Übernachten in Wolfshöhlen bin.
Gibt es bereits Pläne / Gedanken / Phantasien, was nach Annas Nächtebuch kommen wird; ein neues Buch oder Projekt?
Ein zweites großes Theaterstück mit Wolf-Dietrich Sprenger: "Der kleine Vampir und die große Liebe".
Wie immer gehören die "letzten Worte" an deine Leser und Fans natürlich dir... :-)
In ihrem Abschiedsbrief an Anton schreibt Anna:
Lieber Anton!
Es ist mir schrecklich schwer gefallen, mich von dir zu verabschieden! Du
hättest auch bestimmt nicht so schnell wieder von mir gehört.
Aber ich muss Dir noch etwas geben: Mein Nächtebuch!
Mir, Angela, ist auch schwer gefallen, mich von meinen (Buch-) Figuren zu verabschieden. Aber das Leben geht weiter und bald gibt es Neuigkeiten aus der Welt derer von Schlottersteins: Annas Nächtebuch!

4. Interview, Februar 2002 (Fragen von Fans)
1.) Fast von allen kam die selbe, bzw. ähnliche Frage, nämlich nach der Entstehung der Bücher (wonach ich übrigens des öfteren auch von „Nicht-Fanclubmitgliedern" in Emails gefragt werde). Du hattest darauf zwar schon mal geantwortet, aber offensichtlich möchten deine Leser mehr darüber erfahren. Woher hast du damals (wie heute) die Ideen zu den Geschichten vom kleinen Vampir genommen, von was wurdest / wirst du inspiriert, was war die Vorschichte für die Entstehung? Worauf beruht deine Beziehung zu Vampiren und der Hintergrund, diese in Kinderbücher einzubringen? Haben eigene Kindheitserlebnisse und -erfahrungen einen Teil dazu beigetragen, wenn ja, welche?
Ich habe damals (1976) den ersten Band vom
Kleinen Vampir geschrieben, weil viele meiner Schüler keine Lust hatten, Bücher
zu lesen. Sie wussten allerdings genau, wie ein Buch sein müsste, damit sie es
gern und freiwillig lesen würden: spannend, unterhaltsam, ein wenig gruselig -
und man müsste auch mal lachen können.
Darüber hinaus wollte ich auch dem Stereotyp vom
bösen Vampir, der mit möglichst viel Gewalt vernichtet werden muss, einen ganz
anderen Vampir entgegensetzen. Und ich wollte ein ganz anderes Vampirbuch
schreiben.
2.) Hast du dich selbst mal als Vampir verkleidet und wenn ja, zu welchen Gelegenheiten?
Aber ja! Seit ich in Amerika lebe, ist Halloween
mein Lieblings-Festtag. Je nach Lust und Laune verkleiden wir uns dann als
Vampire und dekorieren das Haus entsprechend.
Mein schönstes Erlebnis als Vampir war der Fasching
1977, bei dem ich im schwarzen Vampirumhang und mit viel weißer Schminke im
Gesicht Burghardt zum Tanzen aufforderte. Er sagte: "Gern, wenn du nicht beißt
..." Er selbst war nicht als Vampir verkleidet, das kam erst später. Heute hat
er ein super Vampirkostüm, richtige Eckzähne zum Aufstecken, eine schwarze
Perücke und professionelles make-up.
Damals hatte ich schon das erste Kapitel vom Kleinen
Vampir geschrieben, es aber noch nicht an den Rowohlt Verlag geschickt.
3.) Wie du im letzten Interview erzählt hattest, möchtest du als nächstes „Der kleine Vampir und die Gruselnacht" schreiben. Hast du damit bereits begonnen und wann darf man mit der Veröffentlichung rechnen?
Zur Zeit arbeite ich an "Kasimir von Käsebleich".
Der erste Band über Kasimir wird im Juli bei Thienemann erscheinen. Kasimir ist
kein Vampir, sondern ein ungewöhnlich begabtes Gespinst - richtig: Gespinst mit
"i", also kein Gespenst und auch kein Geist. Im Alter von zwei Tagen beginnt
Kasimir zu sprechen, kurz darauf kann er fliegen, lesen, rechnen. Er ist auch
sehr gefährdet, und zwar durch einen Ranzenmann, über den man im zweiten Band
"Kasimir von Käsebleich kommt zur Schule" und im dritten Band "Kasimir von
Käsebleich und der Ranzenmann" mehr erfahren wird.
Danach - aber das wird erst 2003 sein - möchte ich
ein weiteres Buch über den Kleinen Vampir schreiben. Zur Zeit habe ich am
meisten Lust, "Annas Nächtebuch" zu schreiben, weil ich mit diesem Buch die
geheime Welt der Vampire betreten könnte. Alle Vampir- Bücher davor sind ja aus
der Perspektive von Anton geschrieben; und das schränkt mich ziemlich ein.
4.) Wird ein evtl. anschließender Band 20 mit einer „runden Zahl" dann die allerletzte Buchfolge vom kleinen Vampir sein oder ist bereits mit Band 19 endgültig Schluss?
Davon lasse ich mich selbst überraschen.
5.) Als Frage kam auch, warum die 2. TV-Serie nicht so realistisch gedreht und nicht an die Darsteller der ersten Verfilmung angelehnt wurde. Wie viel Input und Mitsprache hattest du diesbezüglich bei der 93er Serie und wie findest du sie persönlich?
Ich finde Teile der zweiten Serie durchaus gelungen. Allerdings gefallen mir die Darsteller von Anton und Rüdiger überhaupt nicht; sie schreien sich nur an und man versteht nicht, weshalb Anton sich überhaupt mit Rüdiger abgibt. Antons Eltern finde ich auch ziemlich schlimm. Die erweiterte Vampirfamilie mit Angelika Milster usw. gefällt mir gut. Der Friedhofswärter entspricht nicht meinen Vorstellungen. Er ist aber ganz ulkig mit seinem "pock-pock-pock"-Song. Insgesamt war mein input sehr gering, sogar geringer als bei der ersten Serie.
6.) Wenn es irgendwann zu einer dritten Fernsehserie kommen sollte: Würdest du diesmal bei der Auswahl der Schauspieler und bei der Umsetzung mehr Mitsprache wollen, als bisher?
Im Prinzip ja. Andererseits ist es für mich auch wichtig, einen gewissen Abstand zu wahren, um weiterhin kreativ bleiben zu können. Im übrigen habe ich es mir zum Prinzip gemacht, meine Mitarbeit nicht aufzudrängen. Ich bin der Meinung, dass sich jeder selbst schädigt und diskreditiert, der einen Film über den Kleinen Vampir machen will und mich dabei übergeht.
7.) Neben dem kleinen Vampir hast du unter anderem die Bücher „Julia bei den Lebenslichtern" und „Von jenseits des großen Waldes" geschrieben, die sich mit der Thematik „Sterben & Tod" befassen. Wie sind diese Bücher entstanden und hast du in diese auch eigene Erlebnisse mit eingebracht?
"Julia bei den Lebenslichtern" ist sehr persönlich. In ihm erinnere ich mich an den Abschied von meiner eigenen Oma, die sehr lieb und supportive war. Als ich das Buch schrieb, war ich besorgt, es könnte mich vielleicht deprimiert machen. Aber das Gegenteil trat ein: das Schreiben war sehr befreiend. Für mein Buch "Von jenseits des großen Waldes" habe ich ein Vorwort geschrieben, das einiges zum Hintergrund des Buches erklärt. Ich weiß nicht, ob Du das Buch hast und insofern das Vorwort kennst?
Ich besitze das Buch und habe hier für alle, die es
nicht kennen, das Vorwort abgetippt:
Der Tod und das Mädchen... Ich besuchte die siebte
Klasse, als dieses Gedicht auf einer Schulfeier vorgetragen werden sollte. Um
die Rolle des Mädchens bewarben sich viele, aber den Tod wollte niemand
sprechen. So meldete ich mich.
Ich habe die Worte, mit denen der Tod das Mädchen
tröstet, nie vergessen. Und der Gedanke, dass wir den Tod annehmen müssen, weil
er ein Teil unseres Lebens ist, hat meine gesamte schriftstellerische Arbeit
bestimmt. In den drei Erzählungen dieses Buches, die innerlich zusammengehören,
steht der Tod im Mittelpunkt. Aber er ist nicht der "wilde Knochenmann".
Er ist -auch- ein Freund.
8.) Welche Tipps kannst du jungen Autoren geben, die selbst eine Geschichte im Kopf haben, bzw. ihre Ideen bereits zu Papier gebracht haben? Worauf sollte man deiner Meinung nach beim Schreiben achten und wie sollten Autoren nach dem Schreiben am besten vorgehen, um einen Verleger zu finden?
Meine Art zu schreiben, lässt sich am besten als
eine Art Dialog oder Gespräch mit meinen Charakteren beschreiben. Für mich ist
es z.B. sehr wichtig, dass meine Charaktere die "richtigen und passenden" Namen
haben. Erst wenn ich mit den Namen hundertprozentig zufrieden bin, sprechen
meine Charaktere mit mir und ich mit Ihnen.
Die "richtige" Satzlänge, die Klarheit und
Verständlichkeit der Sprache, die Länge und Zahl der Kapitel eines neuen Buches,
all das ergibt sich für mich während des Schreibens. Dabei überarbeite ich ein
neu geschriebenes Kapitel mehrmals. Und selbst das "fertige" Manuskript wird von
mir noch überarbeitet, bevor ich es an den Verlag schicke.
Eine wichtige Rolle spielt auch, dass ich 12 Jahre lang Grundschullehrerin war und die Welt der Kinder intensiv beobachtet und erfahren habe (und eben nicht nur aus der Eltern-Perspektive).
Eine Struktur oder ein pattern für die Geschichte lege ich nicht fest. Für mich ist das Schreiben eine Reise: ausgehend von einer Idee, die ich mir aufgeschrieben habe, entwickelt sich die Geschichte von Kapitel zu Kapitel, ohne dass ich weiß, wie und wo sie enden wird. Aber wenn ich dann "Ende" geschrieben habe, weiß ich, dass ich das Ende meiner Reise erreicht habe.
Je nach Thema arbeite ich mehrere Monate an einem neuen Buch. Beim "Kleinen Vampir" ist es einfacher, da die meisten Charaktere vorgegeben sind, ich weiß, wie sie sprechen und was sie denken.
Eine vollständig neue Geschichte zu entwickeln, dauert dagegen sehr viel länger, vor allem, wenn es sich um eine mehrbändige Serie handelt, wie z.B. "Kasimir von Käsebleich".
Es ist immer gut, den eigenen Text Kindern
vorzulesen und zu beobachten, wie sie reagieren.
Kinder sind nie "höflich" und sie lesen auch keine
Feuilletons, die ihnen sagen, welche Bücher sie gut und wichtig finden müssen.
Freiwillig lesen Kinder vermutlich überhaupt nur,
wenn ihnen ein Buch wirklich gefällt. Ansonsten würden sie lieber fernsehen oder
spielen.
Wenn man einen Verleger finden will, ist es ratsam, sich anzugucken, wie das Verlagsprogramm aussieht, welche Schwerpunkte der Verlag hat usw.. Dazu kann man die Buchmesse besuchen. Man darf allerdings nicht erwarten, auf der Messe einen Lektor zu finden, der Zeit zu einem spontanen Gespräch hat. Ja, und dann muss man eine ziemlich dicke Haut entwickeln.
Was die "Chancen" eines newcomers betrifft, so
fürchte ich, dass die Verlage immer weniger bereit sind, mit einem unbekannten
Autor ins Risiko zu gehen. Auf jeden Fall ist es inzwischen auch für etablierte
und anerkannte Autoren schwieriger geworden, ein Manuskript bei einem Verlag "unterzubringen". Man
sollte also Absagen, die hundertprozentig eintreffen werden, nicht als
persönliche Niederlage ansehen, sondern als Chance, zu lernen und sich zu
verbessern.
Gerade ist in der "Schriftenreihe der Deutschen
Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach" ein Buch erschienen, in dem
sich 60 Autoren zum Thema "Mein erstes Manuskript" äußern, unter ihnen auch ich.
Es ist sehr interessant zu lesen. Einige Autoren haben zehn Jahre gebraucht, bis
ihr erstes Buch erschien.
Liebe Grüße aus Hidden Meadows an alle kleinen und großen Vampire!

3. Interview mit Angela, Dezember 2001:
Andy: Der Fanclub feiert im Januar seinen 2. Geburtstag. Was war dein erster Gedanke, als du von meiner Fanclub-Idee gehört hast und wie denkst du heute über ihn?
Angela: Ich finde es natürlich toll, dass es Deinen Fanclub jetzt schon 2 Jahre gibt und dass alle Fans Dich als Ansprechpartner haben. Wie ich heute über ihn denke? Da kann ich eigentlich nur sagen: Kleine Vampire aller Länder, vereinigt euch!
Andy: Wie gefallen dir persönlich die Newsletter und die Website des Fanclubs? Was magst du besonders und was evtl. gar nicht? Welche Wünsche / Vorschläge hättest du diesbezüglich?
Angela: Die Newsletter gefallen mir gut. Ich finde auch den persönlichen touch gut, den Du ihnen gibst. Den letzten Newsletter habe ich allerdings nicht gelesen. Du hattest ihn an meine alte Adresse geschickt. Es finde es auch sehr gut, dass Du eine Website hast.
Andy: Ich habe für den Fanclub in den verschiedensten Zeitungen und
Zeitschriften inseriert (Gothic, Musik, TV & Kino und für Kinder). Die mit
Abstand größte Resonanz kam & kommt jedoch von Erwachsenen, die mit der ersten
Fernsehserie groß geworden sind. Wundert dich das etwas oder freust du dich eher
darüber, dass die
1. TV-Serie auch heute noch so viele, langjährige Fans hat?
Angela: Die "alten" Fans sind meine Lieblingsfans! Auf der Lesereise haben wir des Öfteren "Vampirfamilien" kennen gelernt, d.h. die Eltern haben meine Bücher als Kinder gelesen und nun lesen ihre eigenen Kinder sie.
Andy: Einmal angenommen, es hätte bisher nie eine TV- oder Kinoproduktion vom kleinen Vampir gegeben und du würdest diese selbst in die Hand nehmen. Wie würdest du sie heute umsetzen und was würdest du evtl. anders machen, als in den bisherigen Verfilmungen deiner Bücher?
Angela: Ich würde sie natürlich ganz eng an die Bücher anlehnen, keine
neuen Charaktere erfinden und keine alten unterschlagen. An der ersten
TV-Verfilmung gefällt mir auch einiges nicht, aber sie ist die Umsetzung, die
meinen Geschichten am nächsten kommt.
Joel Dacks ist außerdem schwer zu übertreffen!
Andy: Der Kinofilm vom kleinen Vampir war ja -erst recht für einen Kinderfilm- ein sehr großer Erfolg. Wird es davon eine Fortsetzung geben? Falls ja: Ist darüber schon Näheres bekannt? Falls nein: Was sprach dagegen?
Angela: Soweit mir bekannt ist, wird es eine Fortsetzung geben. Mehr weiß ich im Augenblick auch nicht.
Andy: Wie weit sind die Vorbereitungen für das Theaterstück zu “Der kleine Vampir feiert Weihnachten"? Wann wird es auf deutschen Bühnen aufgeführt?
Angela: Leider bisher noch gar nicht. Mir wurde gesagt, der Aufwand sei zu groß für ein Stück, das nur zu Weihnachten gespielt werden kann.
Andy: Gibt es schon etwas neues zu der geplanten Zeichentrickserie vom kleinen Vampir? Und ist evtl. auch die Verfilmung von anderen deiner Bücher geplant? Schließlich hast du weit mehr, als nur den kleinen Vampir geschrieben...
Angela: Keine Neuigkeiten, leider.
Andy: Ende 2001 warst du für 3 Monate mit einer Lesereise in Deutschland unterwegs, auf der du unter anderem aus deinen Büchern vom kleinen Vampir vorgelesen hast. Was waren die schönsten Erlebnisse auf dieser Tour für dich, was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Angela: 6 Wochen - und das war lang genug! Am schönsten waren die Gespräche mit meinen Lesern und Leserinnen. Jede Veranstaltung war anders, jedes Publikum war anders - aber die Begeisterung für den Kleinen Vampir war überall dieselbe. Die Buchmesse hat mir auch sehr gut gefallen.
Andy: Wie du mir erzählt hast, möchtest du als nächstes u. a. ein Buch zum kleinen Vampir schreiben, welches etwas “aus dem Rahmen" fällt, da es aus der Sicht von Anna erzählt. Wird sie darin die bisherigen Abenteuer nochmals Revue passieren lassen oder eher über neue, bisher für den Leser unbekannte Dinge unter den Vampiren berichten?
Angela: Als nächstes möchte ich "Der kleine Vampir und die Gruselnacht" schreiben; Ideen zu dem Buch sind mir auf der Lesereise gekommen. Annas Nächtebuch werde ich evtl. danach schreiben.
Andy: Im März erscheint bereits Band 18 vom kleinen Vampir. Wie ist die Resonanz, die du (auch über die Verkaufszahlen deiner Bücher) bekommst? Gibt es sehr viele Leser, die sich überwiegend die ersten Bände kaufen oder sind es auch sehr viele, die nicht der Reihe nach oder gar alle Bände lesen?
Angela: Wie bei den meisten Buchserien sind die Verkaufszahlen der ersten Bände am höchsten. Ich hoffe aber, dass es viele Leser gibt, die sich alle Bücher kaufen. Ich hab mich auch sehr gefreut, dass Dir "die Tanzstunde" gefallen hat.
Andy: Hat sich der "Harry Potter-Boom" auch auf die Verkaufszahlen vom kleinen Vampir ausgewirkt? Hast du "Harry Potter" gelesen? Wie findest du ihn?
Angela: Das Harry Potter Phänomen ist nicht unbedingt ein Phänomen, das den Verkauf anderer Bücher fördert. Ich habe Band 1 gelesen, auf englisch. Mir gefiel er soweit ganz gut. Ich fand ihn allerdings ziemlich humorlos.
Andy: Für “Der kleine Vampir und Dracula" bist du selbst nach Rumänien gereist; Was waren dort die einprägsamsten Erlebnisse für dich? Würdest du dieses Land gerne nochmals besuchen?
Angela: Die allgemeine Armut, der Mangel an Nahrungsmitteln haben mich geschockt - allerdings war das 1991. Beeindruckt hat mich die Schönheit der Landschaft, die Wildheit der Karpaten. Und natürlich hat mein Herz im Lande von Dracula schneller geklopft als sonst.
Andy: Gibt es weitere Bände vom kleinen Vampir, die in realen Gegenden spielen oder für die du von wirklichen Schauplätzen inspiriert wurdest? Falls ja, welche?
Angela: Band 3 und 4 spielen in Schleswig-Holstein, in der Nähe von Wesselburen.
Andy: Du bist im letzten Jahr umgezogen; Wie kam es dazu? Würdest du uns ein wenig erzählen, wie die du als Autorin des kleinen Vampirs lebst? Hast du ein paar besondere Stücke in deiner Wohnung?
Angela: Einige Journalisten haben geschrieben, mein Haus sei eine Art
Vampir-Museum. Das ist aber arg übertrieben. Sicher hängen bei uns einige
Vampir-Marionetten von der Decke, wir haben eine Schaufenster-Puppe, die als
Kleiner Vampir gekleidet ist, an den Wänden hängen ein paar Poster vom
Kinofilm... Aber insgesamt habe ich mehr alte Teddys und Puppen als Vampire.
Wir sind umgezogen, weil wir mehr Platz haben wollten. Den haben wir hier
draußen gefunden - und viel Natur: Kojoten, Schwarze Witwen und ein paar liebe
kleine Fledermäuse. Klapperschlangen gibt es auch, aber ich habe noch keine
gesehen.
Andy: Stell’ dir vor, eines Nachts säße tatsächlich ein echter, kleiner Vampir in deinem Zimmer. Welche Fragen würdest du ihm gerne stellen?
Angela: Der sitzt jeden Abend in meinem Zimmer! Und unsere Unterhaltung bricht deshalb auch nie ab.
Herzliche Grüße - und weiterhin viel Erfolg für Deinen Fan-Club!
Angela Sommer-Bodenburg
Vielen Dank für das Interview, deine Mithilfe am Fanclub und deine Bücher!

2. Interview mit Angela
Sommer-Bodenburg, Februar 2001:
(Die Frage Nr. 7 habe ich nachträglich gestellt und sie wurde mir von Angelas
Mann & persönlichem Manager Burkhardt beantwortet)
1.) Der Kinofilm ist in Deutschland inzwischen abgelaufen; Er war ein großer Erfolg und auch die Kritiken waren durchweg sehr gut. Wenn du auf die Dreharbeiten und die Produktionszeit zurückdenkst: Was sind deine schönsten Erinnerungen?
Das screening der ersten zwanzig Minuten des Films, im September 1999 in Bottrop. Wir saßen auf dem Studiogelände in einem kleinen screening-room, zusammen mit den drei Kindern, die die Hauptrollen spielen: Jonathan, Rollo und Anna. Die drei hatten, genau wie wir, noch nichts von dem Filmmaterial gesehen. Es war toll, zu beobachten, wie aufgeregt und begeistert sie reagierten. Ich war mir plötzlich ganz sicher, dass es ein großartiger Film werden würde.
2.) Gibt es im nachhinein gesehen etwas, was du heute noch verbessern oder ändern würdest?
Ich habe nach wie vor Bedenken, wenn am Ende des Films die Vampire "normale" Menschen werden; zumindest wird die Schluss-Szene von den meisten Zuschauern so interpretiert. Ich verstehe den Schluss mehr als Traum, den Anton (Tony) hat. Die Vampire aus meinen Büchern werden selbstverständlich immer Vampire bleiben; das macht ja gerade die Tragik ihrer Existenz aus. Was den Filmschluss betrifft, so verstehe ich natürlich auch, dass die Produzenten ihn mit einer Art happy-end ausklingen lassen wollten.
3.) Der Film weicht ja sehr stark von den kleinen Vampir-Büchern ab. Wie viel von der Handlung stammt aus deiner eigenen Feder, bei welchen Teilen hast du etwas im Drehbuch geändert oder besonders intensiv mitgearbeitet?
Ich habe zwar meine Kommentare zu den Drehbüchern abgegeben, aber mein input war sehr gering.
4.) In wie vielen Ländern lief der Film eigentlich in den Kinos?
Er lief in Spanien, Frankreich, England, Mexiko, Argentinien, Brasilien, USA, Kanada; er wird noch in Italien, Skandinavien, Polen, den Benelux-Ländern und Japan laufen.
5.) Der Friedhofswärter behielt im Kinofilm als einziger seine Existenz als Vampir, was natürlich Raum für Fantasie, aber auch für Spekulationen offen lässt. Wird es evtl. eine Fortsetzung geben?
Das steht noch nicht fest.
6.) Wenn man bedenkt, wie lange es den kleinen Vampir bereits gibt und wie erfolgreich er war / ist, wundert es mich, dass erst jetzt ein Kinofilm über ihn produziert wurde. Gab es bereits früher einmal Überlegungen / Angebote dazu?
Ja, mehrere. Und aus aller Welt.
7.) Wenn es bereits vorher einige Angebote für einen Kinofilm gegeben hat, was waren die Gründe, dass er dennoch nicht früher zustande kam? Lag es an den Drehbüchern, den Rechten, an der "Zeit" oder an etwas anderem?
(Antwort von Burkhardt Bodenburg) Was die früheren Kinofilmangebote
betrifft, so waren die finanziellen Rahmenbedingungen für die geplanten
Verfilmungen nicht in unserem Sinne. Wir wollten keine "kleine" low-budget
Verfilmung, sondern eine große Verfilmung, z.B. eine Disney-Produktion. Disney
hat unseren Film zwar nicht produziert, aber in wenigen Monaten wird er hier auf
dem Disney Channel gezeigt werden.
Und die amerikanische Anfrage, die wir im Februar 1991 per Fax aus
Hollywood bekamen, war dann der Auftakt zu recht erfolgreichen
Filmverhandlungen, die am 31. Oktober 1992 (Halloween) mit der
Vertragsunterzeichnung durch Angela abgeschlossen wurden. Dass dann noch acht
Jahre vergehen würden bis zur Premiere in den US-Kinos, hatten wir uns damals
allerdings nicht vorgestellt.
8.) Wie sieht es mit den Fernsehserien aus? Ist diesbezüglich bereits irgendwo in der Ferne eine weitere, dritte Produktion geplant?
Nein.
9.) Bücher, Hörspiele, Kinofilm, TV-Serien, Comichefte, Musical... Der kleine Vampir hat nahezu alle Medien erobert. Welche Ziele stehen da noch für die Zukunft offen? Du sagtest einmal, dass du gerne eine Zeichentrick-Serie umsetzen würdest...
Die Zeichentrickserie wird kommen. Und diesmal möchte ich dafür sorgen,
dass sie sich ganz eng an meine Geschichten anlehnt.
Zur Zeit erarbeitet eine dänische Dance Company eine choreographische
Version des Kleinen Vampirs. Auf die bin ich natürlich sehr gespannt!
10.) Im Herbst 2001, bzw. im Frühjahr 2002 erscheinen die 2 neuen Bände vom kleinen Vampir. Kannst, bzw. darfst du (im Groben) schon irgendwas darüber verraten? Ich habe mich mit vielen Fans unterhalten und sie sind (wie ich natürlich auch) unheimlich gespannt....
Der erste Band heißt: "Der kleine Vampir und die Tanzstunde" und schildert die Erlebnisse von Anton und den drei Vampiren Rüdiger, Anna und Lumpi in der Tanzschule Schwanenhals. Herr Schwanenhals hat etwas gegen "tote" Musik, sprich Konserven, und begleitet seine Schüler live auf dem Klavier. Man tanzt auch nur Walzer, Wiener Blut ... Zum Schluss des Buches erscheint dann ein vampirischer Überraschungsgast ... Der zweite Band heißt "Der kleine Vampir hat Geburtstag". Wie Du als treuer Leser sicherlich weißt, feierten die Vampire bisher nur ihren Vampirtag. Das soll sich nun ändern und Rüdiger ist der erste, der - sozusagen als Versuchskaninchen - seinen Geburtstag feiert.
11.) Mit den beiden neuen Folgen sind es bereits 18 Bände über Anton, Rüdiger & Anna. Wird es danach evtl. noch weitere geben? Und falls ja: Weißt du bereits, wie du die Geschichten einmal beenden wirst? Oder lässt du das momentan für dich noch offen?
Wenn Rüdiger möchte, dass ich noch ein paar Abenteuer über ihn schreibe, wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben. Aber noch hat er sich diesbezüglich nicht bei mir gemeldet.
12.) Wie lange schreibst du in der Regel an einem Buch? Und wie viel Zeit vergeht durchschnittlich vom ersten Wort bis zur Veröffentlichung?
Ich schreibe 4 bis 5 Monate an einem Buch. Bis zur Veröffentlichung vergeht in der Regel ein Jahr; oft sind es aber auch zwei.
13.) Hast du noch andere Bücher neben dem kleinen Vampir in Arbeit? Worüber möchtest du gerne noch schreiben? Was sind deine nächsten Pläne?
Ich habe gerade ein Theaterstück beendet: "Der kleine Vampir feiert Weihnachten". Natürlich hoffe ich, dass es von vielen Bühnen aufgeführt wird und "Hänsel und Gretel" und "Schneewittchen" heftig Konkurrenz macht. Zur Zeit schreibe ich ein Buch über eine Gespensterfamilie. Danach werde ich wahrscheinlich eine Fantasy-Geschichte schreiben, die in meinem Kopf schon ziemlich fertig ist. Außerdem habe ich die Idee zu einer ziemlich bösen Geschichte, die im normalen Alltag angesiedelt ist. Darin wird es um Leute gehen, die Kinder hassen und die Welt von ihnen befreien möchten.
14.) Gibt es noch etwas, was du den Lesern des Interviews gerne noch mitteilen würdest? Einen abschließenden Satz?
Ich habe viele positive Kommentare zu dem Film "Der kleine Vampir" von
meinen Lesern bekommen. Das hat mich ganz besonders gefreut, denn ich war doch
ein bisschen besorgt, weil die Filmgeschichte so stark von den Büchern abweicht.
Ich finde es ganz toll, dass meine Leser zwischen Film und Buch trennen konnten.
Ein Leser schrieb mir z.B., er wäre froh, dass die Filmgeschichte so anders als
die Buchgeschichte ist, weil ihm dadurch seine schönen Erinnerungen an Rüdiger,
Anna und Anton, wie er sie aus den Büchern kennt, nicht zerstört worden wären.
Interessant finde ich auch, dass Joel Dacks immer noch der "echteste" der
kleinen Vampire ist. Aber Rollo Weeks ist in meinen Augen schon sehr nahe an ihn
herangekommen. Übrigens hat mir Joel Dacks zum Kinofilm eine liebe e-mail
geschickt, in der er schreibt, dass ihm der Film sehr gut gefallen hat.
Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview! Ebenso möchte ich dir sowie deinem Mann Burghardt nochmals Danke sagen für eure Unterstützung des Fanclubs, das Mitteilen von Informationen und die Beantwortung meiner "zwischendurch-Fragen" per Email!
Das Interview wurde von mir im Februar 2001 schriftlich geführt.
1. Interview mit Angela Sommer-Bodenburg (August 99):
Du hast neben „Der kleine Vampir" inzwischen eine Vielzahl weiterer Bücher geschrieben und veröffentlicht. Dennoch ist „Der kleine Vampir" bis heute deine bekannteste und meistverkaufte Buchserie. Hast du damals je mit diesem, vor allem anhaltenden Erfolg gerechnet?
Angela: Der Erfolg kam für mich nicht unerwartet.
Denkt man an Angela Sommer-Bodenburg, denkt man in erster Linie an „Der kleine Vampir". Stört es dich etwas, dass deine anderen Bücher nicht auch in diesem Maße Bekanntheit erlangten?
Angela: Ja und Nein. Natürlich bin ich froh und glücklich dafür, dass der kleine Vampir eine so große Lesergemeinde erreicht hat und immer noch erreicht. Ich bekomme Briefe aus der ganzen Welt, und das ist natürlich eine schöne Anerkennung. Häufig schreiben mir Lehrer mit ihren Schulklassen, die plötzlich festgestellt haben, dass Bücherlesen Spaß machen kann! Andererseits werde ich durch den kleinen Vampir in eine Schublade gesteckt. Bücher von mir, die sich mit ernsteren, oft tabuisierten Themen befassen wie zum Beispiel „Julia bei den Lebenslichtern", in dem es um das Thema Sterben und Trauer geht, haben nicht die leiseste Chance, jemals eine literarische Auszeichnung zu bekommen. Ich vermute, dass man in den Kreisen der Juroren meine Bücher noch nicht einmal liest.
Seit du die erste Buchfolge von „Der kleine Vampir" zu schreiben angefangen hast, ist inzwischen einige Zeit vergangen. Wie sind die Geschichten entstanden, woher hast du deine Ideen genommen, vom wem oder was wurdest du inspiriert?
Angela: Ich wollte ein Buch schreiben, das Kinder gern - und freiwillig - lesen, das lustig, spannend, ironisch, fantasievoll und neu und anders sein sollte - mit Figuren, die man mögen kann, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht sehr sympathisch wirken. Ich wollte Kindern helfen, ihre Ängste abzubauen, mutiger und selbstsicherer zu werden.
Mit der 16. Folge von „Der kleine Vampir" (Die Reise zu Graf Dracula) hast du dieser Buchreihe ein passendes Ende gesetzt. Hast du diesen Entschluss je bedauert? Besteht die Möglichkeit, dass du irgendwann die Geschichten um den kleinen Vampir doch weiterführst oder sollte dies deiner Meinung nach eher der Fantasie der Leser überlassen werden?
Angela: Ab 2000 erscheinen die Bände 9 - 16 des kleinen Vampirs im Rowohlt Verlag (Anm.: Bisher erschienen diese im Bertelsmann Verlag); dort wurden die ersten 8 veröffentlicht. Die Bände 9 - 16 werden von Amelie Glienke neu illustriert werden (Anm.: Die bisherige Illustration der Bände 9 - 16 stammte von Magdalene Hanke-Basfeld). Der Verlagsleiter von Rowohlt hat mich überredet, zwei neue Bände über den kleinen Vampir zu schreiben. Damit wird es demnächst 18 Bände geben.
Im Juni 99 beginnen in Schottland die Dreharbeiten für einen Kinofilm von „Der kleine Vampir". Wie kam es dazu und welche Buchfolgen umfasst der Film? Wird es von diesem Film evtl. eine Fortsetzung geben?
Angela: Inzwischen haben die Dreharbeiten zum Kinofilm „The little Vampire" begonnen. Sie dauern bis Ende September. In die Kinos kommt der Film im Jahr 2000. Für den Kinofilm wurde eine neue, ziemlich freie Kinohandlung entwickelt. Das screenplay enthält einige Ideen, die mir wirklich gut gefallen. Ich bin selbst gespannt, was daraus wird.
Im Oktober 98 ist ein neues Vampirbuch von dir, mit dem Titel „Der Fluch des Vampirs", erschienen. Kannst du etwas mehr darüber erzählen?
Angela: In meinem neuen Buch „Der Fluch des Vampirs" geht es auch um die Beziehung eines Menschen zu einem Vampir. Doch anders als beim kleinen Vampir ist diese Beziehung nicht vergnüglich und voller Abenteuer, sondern für den Menschen lebensbedrohlich. Am Ende wird der Vampir erlöst - allerdings auf eine gewaltfreie Art. Ich habe in dieses Buch sehr viel „Vampir-Folklore" einfließen lassen.
Welche Einstellung / Meinung hast du persönlich zu Vampiren?
Angela: Ich liebe Vampire ... kleine!
Liest du auch in deiner Freizeit Vampirgeschichten, z. Bsp. von Bram Stoker, Anne Rice u.a.? Falls ja, wie findest du diese?
Angela: Die Bücher von Anne Rice sind mir zu blutrünstig und zu humorlos. Bram Stoker gefällt mir gut. Ich habe eine große Sammlung fantastischer Literatur. Darunter sind auch einige sehr alte Bücher.
Um mal von den Vampiren weg zu kommen: Du bist in der Nähe von Hamburg geboren und hast dort auch u.a. Pädagogik und Soziologie studiert. Von 1972 bis 1984 hast du als Grundschullehrerin gearbeitet. Was hat dich dazu entschlossen, deinen Beruf aufzugeben?
Angela: Der Wunsch, mehr Zeit für meine eigentliche Berufung - das Schreiben - zu haben.
1992 bist du nach Kalifornien gezogen. Wie kam es dazu? Hattest du bereits
zuvor Beziehungen zu den
USA?
Angela: Wir hatten keine Verbindungen in die USA. Aber der kleine
Vampir war einem
Filmproduzenten in Hollywood aufgefallen, und insofern hat Rüdiger uns den
Weg hierher geebnet.
Welchen Kontakt, welche Verbindungen hast du heute noch nach Deutschland?
Angela: Die meisten Leser habe ich in Deutschland. Ich schreibe in Deutsch. Ansonsten ist Kalifornien ein großer melting pot (Anm.: Dt.: „Schmelztiegel") und ich fühle mich als Teil davon.
Neben dem Schreiben malst du. Welche Motive enthalten deine Bilder und von was wirst du inspiriert?
Angela: Die meisten meiner Bilder sind Selbstportraits. Ich liebe die Bilder von Frida Kahlo. Sie haben mich sicherlich inspiriert.
Welche Musik hörst du privat? Und mit welcher Musik kannst du überhaupt nichts anfangen?
Angela: Ich spiele Gitarre und singe. Ich mag Blues, Folkmusic. Keine Operette oder Oper.
Gibt es einen Traum, den du dir noch erfüllen möchtest. Wenn ja, welchen?
Angela: Den Zeichentrickfilm „Der kleine Vampir" realisieren
Eine eigene CD produzieren, „Hanna, Gottes kleinster Engel" verfilmen
Einen Kunstband mit meinen Bildern veröffentlichen
Meine Bilder an vielen Orten ausstellen
Hast du ein Lebensmotto und / oder einen Lieblingsspruch?
Angela: Ich folge meiner inneren Stimme.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview wurde von mir schriftlich geführt im August 99
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